Teilnahme an Palästinenser_Innen-Solidarischer „Free Gaza“ Demo am Dienstag, den 1.Juni 2010.

Zu um 19 Uhr hatten linke, antifaschistische und internationalistische Berliner Gruppen zu einer Protestdemonstration am Alexanderplatz aufgerufen.
Anlass war der blutige israelische Überfall auf die humanitäre „Free Gaza Flotte“ und die darauf befindlichen Friedensaktivist_Innen verschiedenster Prägung.

Auch Aktivist_Innen der A.N.N.A. entschlossen sich sofort, solidarisch an dieser Demonstration teilzunehmen und den klassenkämpferischen Anspruch zu verstärken!

Die Demonstration selbst war gut besucht. Rund 800 Menschen waren dem erst kurz zuvor publik gemachten Aufruf gefolgt. Hierbei handelte es sich um eine bunte Mischung aus verschiedensten linken, muslimischen und migrantischen Teilnehmer_Innen, die allesamt sehr solidarisch und offen miteinander umgingen.

Unter lauten Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität!“, „Macht den Imperialisten Dampf – Klassenkampf! Klassenkampf!“, „Hinter Krieg und Krise steht das Kapital – der Kampf um Befreiung ist international!“, „Freiheit für alle poltischen Gefangenen!“, „Viva, viva, Palästina!“, „Deutschland finanziert – Israel bombadiert!“, „Deutsche Waffen – deutsches Geld – morden mit in aller Welt!“, „Israel und USA – Intifada ist wieder da!“, „One solution – Revolution!“, „A – Anti – Anticapitalista“, „Stoppt das Leiden – stoppt den Krieg – Intifada bis zum Sieg!“, „No border – no nation – stop deportation“, „Gegen das Konstrukt von Volk und Rasse – für uns gibt´s nur eins – Klasse gegen Klasse!“ und (von vielen begeistert aufgenommen) einem Auschnitt von Quetschenpauas „Tu was“ -Song http://www.youtube.com/watch?v=aXVv8bNRerk [von diesem Ausschnitt hat sich der Künstler leider distanziert] bahnte sich der Demonstrationszug seinen Weg. Von muslimischen Menschen wurden derweilen noch auf arabisch religiöse Parolen wie „Preiset den Herren – Gott ist groß!“, „Es gibt nur einen Gott, sein Name ist Allah und Mohammed sein Prophet“ gerufen, und auf türkisch linke Antikriegssprüche. Zu antijüdischen Vorfällen kam es jedoch keineswegs!

Nun ist es bedauerlich das viele Nationalfahnen, speziell die der Türkei anwesend waren. Ob das linke Kritisieren auf Indymedia jetzt nun als „Ausländerfeindlichkeit“ oder „Haß auf Türken“ innerhalb der Antifaschistischen Bewegung interpretiert werden kann ist eine Sache. Es ist jedoch grundlegend falsch hinter dieser Fahnenschwenkerei per se türkische Rechte oder Faschisten zu vermuten. Um unsere antideutschen „Kulturkämpfer“ ausserhalb der Demo zu beruhigen ist nebenbei die kemalistische Türkische Staatsdoktrin (für die ja die Türkische Fahne steht) auf den Säkularismus und auf die Westlichen Werte bezogen und kein Symbol eines „Gottesstaates“ oder für die Errichtung desselben. Wenn sich die Neokonservativen „Antifas“ schon daran stören, dann wenigstens fundiert.

Traurig ist auch das viele anwesende eher „antinationalistische“ Antifas es vorzogen mit abschätzigen bis zu offen verächtlichen Blicken am Rande abseits der Demo mitzulaufen. Mit den circa 20 weiteren Personen, die aus einem scheinbar missverstandenem, elitären „Antinationalismus“ es vorzogen sich zu entsolidarisieren, wäre es möglich gewesen noch klarer „linke Akzente“ zu setzen und die Demo noch mehr von unserer Seite her zu dominieren. Verständlich sind die „Magenschmerzen“ angesichts der Nationalfahnen aber schon. Schlußendlich haben die „Entsolidarisierer“ ja auch nichts gegen diese Demonstration unternommen.

Zusätzlich haben prozionistische, sogenannte „israelsolidarische Gruppierungen“ (unter anderem die „Autonome Neuköllner Antifa“) am Rande Fotos von den Demo-Teilnehmer_Innen gemacht und sich im Nachhinein auf diversen Blogs über sie ausgelassen. Das Ziel der „Antideutschen“ ist dabei „anti-imperialistische Schmuddelgruppen“ wie ARAB, die erwähnte ALB oder auch uns die „Szenezugehörigkeit“ zum „Berliner Sumpf“ abzuerkennen.

Trotz alledem bleibt es eine gelungenene Aktion, auch weil es zu vielen interessanten Gesprächen und Kontaktaufnahmen mit den prekarisierten Kids kam. Diese stammten vornehmlich aus den Neuköllner Kiezen. Manche von Ihnen sind bei dieser Gelegeneheit auch zum ersten Mal in Berührung mit linken, fortschrittlichen und sozialistischen Inhalten und Parolen gekommen. Sie zeigten sich außerordentlich erfreut darüber, das so viele „linke Deutsche“ sich an dieser Demonstration beteiligt hatten.

Der im Internet geäußerte „Rassismusvorwurf“ gegen die „linken“ Demo-Teilnehmer_Innen ist absurd. Bei jeder noch so kleinen Antifa-Demo rennen sie alle gemeinsam mit der Linkspartei, der SPD und den Grünen umher „gegen die Nazis“ um den Parlamentarismus zu retten. Da macht kaum einer solch einen Aufriß oder Vorwurf, obwohl es genau da angebracht wäre. In vielen bürgerlichen „Antifa-Bündnissen“ sitzt meistens auch die Polizei mit dabei. Da stört sich auch keine_r daran, das eine SPD/Grünen-Bundesregierung damals Rassismus geschürt hat, einen Balkankrieg mitgemacht hat, die Festung Europa ausgebaut hat, immernoch auf Länderebene täglich abschiebt (in Berlin und Brandenburg zusammen mit der „Linkspartei“) und ganze Sozialsysteme (Hartz IV, Rente, Gesundheit) beseitigt. Offensichtlich ist kulturalistisch verpackte „Xenophobie“ (Abendland versus Morgenland, „westliche Werte“ gegen „den Islam“), also neokonservatives Gedankengut in der Antifabewegung geduldet!

Da fragt mensch sich: „Über Antisemitismus wird sich doch sonst überall aufgeregt, wieso nicht gegen die medial inszenierte Hexenjagd gegen Muslime?“ Ist die Antifa-Bewegung „unkritisch“ und „Islamophob“? Einige Muslima waren regelrecht überrascht, dass es kaum offene Islamfeindlichkeit direkt auf der Demonstration gab. Zu den angeblichen Islamisten-Sprüchen ist zu sagen, daß eine anwesende arabischverstehende Person meinte es ging nicht über das „bekennen“ zu „Allah“ hinaus, also weder in Richtung Dschihad noch explizit Antijudaistisches. Es waren ja auch viele Kurden und exil-türkische Linke da. Das „Bekennen“ scheint ein verbindender Spruch zu sein, den Menschen mit muslimischen Hintergrund, unabhängig ihrer politischen Ausrichtung, rufen. Aber darum ob wir dies gut finden oder nicht geht es ja auch nicht bei einer Solidaritätsdemonstration. Männer und Frauen liefen jedenfalls auch nicht getrennt, wie sonst so oft bei Palästinenser_Innen-Demonstration.

Vor dem Berliner Neonazi-Bekleidungs-Laden „Tonsberg“ kippte die Stimmung zu einem ganz anderem Thema als dem der „Free Gaza“-Demo, und nur Polizisten konnten die aufgebrachte „Alerta Antifascista!“ -skandierende Menge aus Linken, autonomen Antifaschisten und jugendlichen Migrant_Innen zurückhalten. Die krasseste Stimmung war also direkt vor dem Naziladen. Dort blieb die Demo kurz stehen, die Bullen setzten sich ihre Helme auf. Diejenigen die nicht wussten worum es auf einmal ging, fragten nach, wir erklärten es ihnen und sie fanden das dann auch gut und waren mit von der Partie!

Auf Inymedia wurde gehetzt und zwar mit angeblichen Beweisbildern.

Der sogenannte „Genosse von den ‚Grauen Wölfen‘“ steht dabei auf einem „Beweis-Bild“ abseits, denn dieser Graue Wolf wurde von Kurden der Demonstration verwiesen. Die anderen Beweis-Bilder sind von den Tagen und Jahren davor! Es waren genug Linksradikale und vor allem auch explizite Antifaschist_Innen (ca 3 Antifa-Fahnen) vor Ort anwesend um ein Fascho-Verbot konsequent durchzusetzen.

Es gibt ein angebliches „Beweisbild“ das die islamische Abspaltung der Grauen Wölfe da war. Das dieses Foto nicht von der „Antifa-Demo“ stammt können wir bestätigen. Es ist auch bei keinem anderen Foto von der Demonstration zu sehen und auf der Demo haben wir ja darauf geachtet. Auf jeden Fall haben wir keine „Alperen Ocaklari“-Fahne oder „Avrupa Türk Birligi“-Fahnen gesehen.

Faschistische Parolen wurden auch nicht skandiert. Wieso wird eigentlich immer verschwiegen daß „die Jüdische Stimme für den Gerechten Frieden in Nahost“ auch dabei war?

Für eine („freie*“) sozialistischen Föderation des Nahen Ostens!

*frei im Sinne von anarchistisch oder Rätekommunistisch

A.N.N.A.

Lang, lang is her….

Vorstellungsversuch einer Antifa-Vernetzung mit
anarchistischer Prägung

Eine Vernetzung bedeutet das Zusammenkommen von Personengruppen oder Einzelnen unter einem gemeinsamen Vorzeichen.
Hier ist der antifaschistische Kampf der treibende Faktor, warum wir uns zusammentun.
So ist es sicherlich so, dass Menschen aus verschiedenen Gegenden und mit unterschiedlicher Erfahrung, verschiedene Praktiken bzw. Vorgehensweisen haben oder entwickeln. Einerseits kann Mensch konform gehen mit Politbütteln und Staatsschützern, Gemäßigten, bürgerlichen Antifaschismus betreiben, um letztendlich nur an der Oberfläche des eigentlichen Problems zu kratzen. Die Gefahr, dass Mensch Teil des Problems wird ist hierbei außerordentlich hoch. So betreibt auch die Linkspartei eine Politik, welche systemkonform ist (z. b. Abschiebung) und ist somit Teil des eigentlich Problems: der Nationalstaat mit einer Regierung. Um wirklich etwas ändern zu wollen, reicht es eben nicht aus „nur gegen Nazis zu sein“… denn solange es einen Nationalstaat gibt, wird es auch Nazis geben – egal ob NPD, CDU oder SPD.
Wir sehen deshalb in einer Vernetzung die Möglichkeit, uns von all diesem loszusagen und autonom zu arbeiten. Radikal bedeutet an die Wurzel des Problems zu gehen und nicht durch Reformen das Gesicht des Kapitalismus verschönern zu wollen wie z. b. Attac oder eben die Linkspartei.

* autonome solidarität statt parteiunterstützung
* klassenkampf statt bürgerantifa
* organisierte Anarchie/ libertärer Kommunismus statt parlamentarische demokratie
„revolution ist großartig, alles andere ist quark!“
Mit anarchistischen Grüßen
Antinationale Neuköllner Antifa [A.N.N.A.]

(Beitrag von uns aus dem „Berliner Anarchistisches Jahrbuch 2008″)

Auf nach Nord-Ost-Brandenburg! Keine Rückzugsräume für Nazis – nirgends!

Bürgerlicher Antifaschismus dreht sich nur um die Erhaltung des Status Quo im Kapitalismus, und versucht die Nazis kleinzuhalten, bekämpft nicht die grundsätzlichen sozialen Widersprüche, die die Nazis stark machen. Und deswegen kämpfen wir auch gegen jegliche Faschisierungs-Tendenzen (Staatliche Bevormundung, Maßnahmestaat, Überwachungswahn, Totalitarismus, institutionalisierten Rassismus, wiedererstarkenden Nationalismus, Willkür) in der Bevölkerung und im Staat.

Als revolutionäre Antifaschist_Innen sehen wir den Klassenkampf als effektivstes Mittel die Nazis zu stoppen. Denn nur eine Soziale Revolution kann den Kapitalismus, der die Grundlage für den Faschismus ist, zerschlagen.

Wir als Anti-Nationale Neuköllner Antifa (A.N.N.A.) unterstützen grundsätzlich den Aufruf des bürgerlichen Bündnisses „Brandenburg Nazifrei“ sich den Nazis in den Weg zu stellen.
Wir wollen nicht nocheinmal zuschauen wie die Nazis „die Städte vom Land aus erobern“, deshalb begrüßen wir (trotz aller Krtitik) jede Solidarisierung mit den dortigen Antifaschist_Innen!

Bildet proletarische Gangs – nehmt euer Schicksal selbst in die Hand!